Mal wieder Feiertag

Ein runder Geburtstag diesmal: 100 Jahre Demokratische Republik Armenien. Sie war die Nachfolgerin einer in den Wirren des Ersten Weltkriegs und der Russischen Revolution gegründeten Transkaukasischen Demokratischen Republik, die gerade mal ein paar Wochen existiert hatte - dabei wundert mich weniger die Tatsache, dass sie kaum existiert hat, als dass überhaupt jemand den Versuch gemacht hat, die drei Völker zusammenzubringen. Schöne Idee, aber ... ich erwähnte ja schon, dass ich Pessimistin bin.
Also feiern heute nicht nur Armenier, sondern auch Aserbaidschaner ihre ersten nationalen Unabhängigkeiten (Georgien war mal wieder einen Schritt voraus und hatte das schon am 26. Mai getan). Die erste Republik stand übrigens unter der Herrschaft der Daschnak, einer sozialistischen Partei, die heute in der armenischen Politik eine wichtige Rolle spielt, im April lange zur Regierungspartei gehalten hat und jetzt verkündet hat, sie würde nie wieder mit denen koalieren. "Wir sind so was wie die SPD in Deutschland" hat mir eine junge Politikerin von denen bei einer Veranstaltung der Ebert Stiftung vor ein paar Wochen erzählt, und jetzt sehe ich den Neuwahlen und den Koalitionsverhandlungen fast noch gspannter entgegen als sowieso schon. 
Aber ich schweife mal wieder ab. Ein langes Leben hatten auch diese Republiken nicht, 1920 wurden sie von der Roten Armee erobert, 1922 bis 1936 versuchten es nun die Bolschewiki mit einer transkaukasischen Republik und seit 1936 gab es dann die drei Sowjetrepubliken Armenien, Georgien und Aserbaidschan, in deren Grenzen dann 1991 auch die unabhängigen Staaten entstanden. Also mehr oder weniger. Abgesehen von Karabach natürlich. Und später Abchasien. Und Südossetien. Das leine Zwischenspiel, das sich "Sowjetunion" nannte, ist längst vergessen und es gibt tatsächlich Leute, die von "Hundert Jahren armenischer Demokratie" sprechen. Entsprechend groß sollten die Feierlichkeiten sein, aber vielleicht bin ich revolutions-verwöhnt: So richtig beeindruckt hat mich das, was ich heute gesehen habe, jetzt nicht.
Ich hatte ja etwas auf ein Kinderfest auf dem Opernplatz gehofft, meinetwegen auch mit Hüpfburg in armenischen Farben oder so, aber viel war da heute tagsüber nicht los. Eine Freundin machte mich darauf aufmerksam, dass es auch nicht nur sehr heiß sei, sondern auch der UV-Index sehr hoch und pralle Sonne schon deswegen keine gute Idee. Nachmittags war es aber bewölkt und mein Handy meldete die bemerkenswerte Diskrepanz von 24 Grad, gefühlt 31. Zumindest die gefühlte Temperatur glaube ich sofort.
Also vielleicht ganz vernünftig, dass sich die Feierlichkeiten auf ein großes Spektakel abends auf dem Platz der Republik beschränken. Aber auch schade, denn jetzt habe ich nichts davon mitbekommen - nach einem heißen Tag auf dem Spielplatz hatte ich dann doch icht mehr die Energie das Kind in den Wagen zu packen und mir die Feuerlichkeiten zumindest vom Rand anzuschauen. 
Vermutlich enden so alle Beiträge in der nächsten Zeit. Die Hitze macht mir zu schaffen. Jetzt schon. Und es war der letzte in der langen Reihe der Feiertag im Mai. Jetzt muss ich sehen, wie ich es bis Mitte Juli durchhalte. 

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