Zwei Frauen, zwei Kinder, Kaukasus

Das schwierige, wenn man seine Freunde immer an den seltsamsten Orten der Welt auftreibt, ist, dass sie dann eben auch an seltsamsten Orten der Welt leben und nicht da, wo man selbst ist. Andererseits besuchen sie einen auch an den seltsamsten Orten der Welt. Die (hoffentlich lange) Besuchsreihe hier wurde von einer Freundin eröffnet, deren Tochter noch fünf Monate jünger ist als das Reisekind. Wie das Pech es so sollte, kam sie genau in der einen Woche, in der ich wegen eines Antrags eigentlich viel zu wenig Zeit hatte. Ich finde, wir haben trotzdem das Beste aus den zehn Tagen gemacht.
Von Freitag bis Sonntag waren wir sogar in Dilijan im Norden, wo wir in der Pension Toon Armeni das vermutlich ideale Kinderferien-Paradies gefunden haben - komplett mit Sandkiste! Leider war das Wetter dann doch zu nass und die extra in Deutschland bestellte Matschhose lag in Yerevan, um sie wirklich auszuprobieren. Vermutlich hätte das auch die Pensionsbesitzer doch überforderdert, ebenso wie die Tatsache, dass das Reisekind mit 17 Monaten mit einer Gabel umgehen kann. Die wurde dem auf meinem Schoß sitzenden Kind entwunden und furchtbar geschimpft, dass das nicht ginge. Ganz ehrlich, von dem "Man braucht ein ganzes Dorf um ein Kind zu erziehen" halte ich immer weniger. Zumindest, wenn es ein kaukasisches Dorf ist. Aber wir werden wohl trotzdem noch öfter zurückkommen, denn - tja, eben die Sandkiste. Und die Rutsche. Und ein Garten mit Katze. (Dass in der ersten Nacht die Heizung gebrannt hat - ok. Kann mal passieren. Wir kommen nicht noch mal in der Heizperiode her. Dann erübrigt sich auch das Problem mit der Matschhose.)
Was wir auf jeden Fall bestätigt haben, ist, dass das Gepäck mit Kindern explodiert. Und dass das Ein- und Ausladen, ins Zimmer tragen und Auschecken von einer Babyschale, einem Kindersitz (ja, das Reisekind hat jetzt einen Autokindersitz) einem Kinderwagen, zwei Trageghilfen, zwei Windelpaketen unterschiedlicher Größe und einem kleinen Koffer für die erstliche Kleidung von vier Personen  so nervig ist, dass wir es nicht mal geschafft haben, ein Bild des Beregs zu machen. Das Schlimmste: Wir haben tatsächlich in den nicht mal drei Tagen alles gebraucht, können also nicht mal sagen, dass wir demnächst leichter reisen werden.
Trotzdem: es war wirklich schön, knapp zwei Stunden Fahrt war für die Kinder völlig ok, so ok, dass wir tatsächlich auch noch die umliegenden Klöster besuchen konnten (wobei sich die berühmte Tavush-Dioszönen -Marmelade aus Hagharzin leider als Enttäuschung rausstellte - sollte Marmelade nicht irgendwie geliert sein?)
Auch Yerevan und einige Kurzausflüge (Garni, Khor Virap, Ejmiatsin) erwieden sich als durchaus tauglich mit Kind(ern). Leider teilweise ohne mich, denn ich musste ja arbeiten.
Kann man wiederholen. Dilijan traue ich mir jetzt sicher auch mal alleine zu.

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