Es stinkt

Und zwar gewaltig und auf mehreren Ebenen. Offensichtlich ist schon seit bald einer Woche eine Abwasserleitung im Yerevaner Bezirk Nubarashen gebrochen, Abwasser fliesst aus und vergiftet Luft und Boden. Vermutlich kein Einzelfall, denn gerade vor ein paar Wochen habe ich schon gehört, dass Armenien für die Erneuerung und Modernisierung des Abwassersystems 2,5 Milliarden Dollar veranschlagt - der Gedanke löste in meiner Umgebung leichte Panik aus - nicht weil man schon an die Folgen dachte, wenn das Geld nicht aufzutreiben ware, sondern aus Angst vor einer Erhöhung der Wasserpreise.
Nun sind die Bewohner von Nubarashen schon einiges gewohnt, denn der Bezirk im Süden der Stadt macht schon seit ein paar Wochen Schlagzeilen durch die katastrophalen Bedingungen, die auf der dort befindlichen Muellkippe herrschen. Dort wird seit den 1950er Jahren der Yervaner Müll abgeladen, aktuell sind es 9,5 Millionen Tonnen, die dort sowieso schon Luft und Wasser zerstören. Seit 2011 wird über eine Verbesserung der Müllkippen nach internationalen Standards diskutiert und das eine oder andere Memorandum unterzeichnet (Memoranda sind gross hier. In meinem Büro auch), eine private Firma mit internationaler Erfahrung einbezogen, aber getan hat sich nichts. Das heraussprudelnde Abwasser war dann den Anwohnern wohl doch zu viel. Sie protestierten, sperrten Straßen, aber vermutlich wären ihre Proteste trotzdem ungehört verhallt, wenn nicht eine von offensichtlich ganzen drei Abgeordenten einer Oppositionspartei im Yerevaner Stadtrat (bezeichnender Weise offensichtlich so was wie "Ältestenrat" - die Macht des Alters sollte man hier nicht unterschätzen) eine Probe des Abwassers in eine Ratssitzung gebracht hätte, um sie dem Bürgermeister zu übergeben. Dies brachte wiederum die regierende Partei so auf die Palme, dass einige ältere Herren, die Frau tätlich angriffen. In einer Kettenreaktion brachte das die einheimischen Feministinnen auf den Plan, die nun den Umgang mit Frauen in der Politik angreifen - durchaus zu recht. Mit nicht einmal 20% Frauen im Parlament und 11% Ministerinnen sind Frauen in der Politik deutlich unterrepräsentiert - zumindest in der offiziellen. Bei Demonstrationen und in politischen NGOs sind sie eher überrepräsentiert und so folgten den üblen Bildern aus dem Yervaner Stadtrat, in denen ältere Herren in Anzügen auf jüngere Frauen losgehen, weitere üble Bilder, auf denen Männer in Uniform auf Frauen losgehen, die gegen die Gewalt gegen Frauen in der Politik und ganz allgemein demonstrieren. Bei den Bildern muss man allerdings aufpassen, dass man nicht versehentlich die von den letzten Demonstrationen gegen Gewalt gegen Frauen oder für mehr Umweltschutz anklickt. Die sehen hier alle erschreckend gleich aus.

Als ich den Gullideckel vor ein paar Tagen photographierte, fand ich ihn noch lustig.


Ach so, was aus der Abwasserleitung wurde, konnte ich nicht herausfinden. Ich werde noch mal bei ein paar feministischen Freundinnen nachfragen, aber ich fürchte, das Ursprungsproblem ist buchstäblich versickert, um über das Grundwasser dann wohl irgendwo aus dem Hahn zu kommen.

Apropos Abwasser: Die Geschichte hat eine andere aus den internen Schlagzeilen verdrängt: Die neue Direktorin eines staatlichen Krankenhauses in Yerevan hatte Tee als Urinproben eingereicht, um das Krankenhauslabor zu testen. Laut den Ergebnissen hatte der Tee eine massive Nierenbeckenentzuendung. 

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