Drei Monate Armenien - ein Rückblick

Heute sind wir drei Monate hier. Vom Hochsommer zum ersten Schnee. Von den ersten holprigen Anfängen in Yerevan im allgemeinen und in der NGO im Besonderen zu drei mehr oder weniger gut laufenden Projekten. Von extrem schwieriger Kommunikation zu freundlichen, in zwei Fällen sogar freundschaftlichen Umgang mit Kolleginnen. Von einigen Missverständnissen mit der Nanny zu einem sicheren Gefühl, dass das Reisekind in meiner Abwesenheit gut untergebracht ist. Im ganzen kann ich zufrieden sein. Bin ich auch. Im nächsten Jahr stehen noch Entscheidungen zu Kindergarten und Umzug an, aber das gehe ich nach Weihnachten an. Allein, dass ich solche längerfristigen Projekte angehe, ist schon mal ein gutes Zeichen, dass wir tatsächlich eine Weile hier bleiben werden.

Was ist nun genau in den letzten drei Monaten passiert?

Ich habe das Land besser kennengelernt, habe Kloester, (post-)sowjetische Kurorte und Weinfabriken besucht.
Ausserdem neue Orte in Yerevan erkundet.
War zweimal am Sevan See - einmal war es kalt und einmal sehr kalt.
Ich bin im Reisen mit Kind geübter geworden - sofern man das bei einem sich so schnell verändernden Kleinkind sagen kann. Dafür sind neue Fragen zum Reisen mit Kind aufgetaucht. Viele.
Ich habe mich - mit bisher unklarem Erfolg - der armenischen Buerokratie gestellt (meine Kollegin hat die letzten Tage am Telefon verbracht, um beim OVIR nachzufragen, wann ich meine Residence Card nun abholen kann - ohne Erfolg).
Etwas gearbeitet habe ich auch, auch wenn sich bisher alles noch zu diffus anfühlt, um viel darüber zu berichten. Das wird aber im neuen Jahr hoffentlich besser.
Ich habe versucht, mich näher mit armenischer (Tages-)Politik zu bschaeftigen und bin zwischen Büro und Kind daran ziemlich gescheitert. Nur ein paar Notizen zur aktuellen Debatte um das Gesetz gegen häusliche Gewalt und eine Erinnerung an das Erdbeben 1988 habe ich geschafft.


Ansonsten bin ich zugegeben urlaubsreif. Kleinigkeiten regen mich mehr auf als sie sollten, wobei ich nicht ganz sicher bin, ob der sorglose Umgang mit Ressourcen in diesem armen Land wirklich eine Kleinigkeit ist. Die Nanny macht Waschmaschine und Trockner auch mal für zwei Bodies und ein Paar Handschuhe an. Im Supermarkt kommen die in Plastik eingeschweißten Bananen noch mal extra in ein Tütchen, weil man ja sonst nicht weiss, wo man den Preis beim Auswiegen (wird hier von Mitarbeitern gemacht) aufkleben soll. Die Plastikdose mit den Oliven wird auch noch mal in Plastik gewickelt und in eine kleine Tüte gepackt. Dann das ganze in eine grosse Tüte an der Kasse. Ich gebe zu: Jeden Tag wird mein freundlicher Protest dagegen etwas weniger freundlich. Ebenso wie meine Debatten mit Taxifahrern, dass ich keine Lust habe, Touristenpreise zu zahlen. Nicht jeden Tag. Ich bin nicht stolz auf diese Gereiztheit, ausser dass ich es bisher schaffe, sie nicht am Reisebaby auszulassen. Es war alles in allem doch sehr anstrengend und etwas mehr Schlaf könnte nicht schaden.
Jetzt steht noch ein Ausflug nach Tbilisi an: Morgen abend im Nachtzug hin, Montag abend mit dem Auto zurück. Der Zug geht leider nur alle zwei Tage und Dienstag abend wäre zu spät gewesen für unseren Flug nach Deutschland.
Der Grund für den Ausflug würde den Text hier sprengen und im Moment weiß ich nicht mal, wie viel ich berichten will. Nur so viel: Karabach. Mal wieder.

Mit dem Text hat das Bild wenig zu tun, aber: Ich habe es heute immerhin geschafft, ein paar Weihnachtsgeschenke zu besorgen. (Nein, nicht alles auf dem Bild, aber hoffentlich reichlich.)

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