Dilijan noch mal ausführlicher

Dilijan, der Kurort im Norden Armeniens wird immer wegen seiner schönen alten Holzhäuser und einer wiederaufgebauten alten Straße gelobt und auch ich erinnere mich von 1999 dunkel an eine Straße, die wie ein ausgestorbenes Freilichtmuseum aussah und im Herbstnebel eines dunklen Tals ziemlich unheimlich wirkte. Damals war auch die Fahrt vom Sewansee noch sehr lang und anstrengend, heute ist die durch einen Tunnel deutlich verkürzt. Was ich zu erst schade fand, weil es auch einiges von der tollen Bergfahrt nahm, sorgte auf der Rückfahrt, als das Reisebaby schon eine erste Resiekrankheit hinter sich hatte, für Erleichterung. Sonst habe ich wenig Erinnerungen von 1999 und mein Tagebuch bricht genau in Dilijan ab. Nun waren wir noch mal für ein Wochenende da und ich bin vor allem von den sowjetischen Bauten beeindruckt. Das ganze wirkt wie ein Freiluftmuseum eines sowjetischen Kurorts und dass es unfreiwillig so ist, macht den Charme nur größer. Vermutlich werden viele der Gebäude doch bald verschwinden, wenn die Tourismusindustrie den Ort langsam übernimmt und einerseits moderne Hotels mit Sportstätten und Wellnessoasen baut, andererseits immer mehr auf alt gemachte Häuser für Hotels und Restaurants entstehen. Die Ansätze sind da, denn das, was ich als Freiluftmuseum in Erinnerung habe, ist inzwischen ein Hotel mit Restaurants und Souvenirläden(vermutlich wurde es damals schon dafür hergerichtet), und etwas außerhalb des Ortes steht ein Best Western, das gerade den Hass sämtlicher armenischer Umweltschützer auf sich zieht: Denn das Best Western in Dilijan wirbt mit Delfinen, mit denen man im Swimmingpool planschen kann. Delfine. Auf 1500 Meter Höhe. Kilometer vom Meer entfernt. Dekadenz  und menschliche Ignoranz gegenüber anderen Lebewesen lässt sich kaum besser illustrieren. (Die Werbung ist allerdings schon aus Facebook verschwunden, es ist allerdings anzunehmen, dass die Delphine noch da sind.)
Aber zurück zum Glanz vergangener Zeiten.



Freiluftheater, bei dem der Blick von der Bühne auf die Berge vermutlich besser ist, als alles, was die Zuschauer sehen konnten. Die Oma ist begeistert über die Omnipräsenz der Antike.

Schade, dass es in der Eisdiele neben dem Theater kein Eis mehr gibt. Schon wegen des Bären hätte ich eins genommen.
Und Blick gab es natürlich auch.
 

Dafür gibt es in diesem absichtlich schlichten Café in einem alten Laden sorgsamst zubereiteten Kaffee: Selbst geröstete Bohnen, für jede Tasse abgewogen, gemahlen und mit Timer genau gebrüht. Der Kuchen war leider noch nicht fertig, roch aber auch toll.

Schade, dass meine Bilder von dem alten Kino und dem Kaufhaus, das viel zu groß für den kleinen Ort wirkte, und an den Fenstern noch die Illustrationen des Zukaufenden (Kleidung, Schuhe, Schmuck) so schlecht geworden sind - blöder Winkel von unten und immer über die Straße laufen, war mit Kinderwagen auch nicht so toll. Mussten wir wegen des immer mal wieder auf einer Seite abbrechenden Bürgersteigs ohnehin schon zu oft. Und das bei unübersichtlichen Kurven.)
Deshalb noch zwei Bilder von alt-neu Dilijan:



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