Friede und Unabhängigkeit

Ok, wir sind doch mal rausgegangen. Meine rechte Schulter, auf der fast das ganze Babygewicht lagert, nimmt mir das immer noch übel. Aber erstens hatte ich gestern einen ersten beruflichen Termin, zweitens war meine Brille kaputt und drittens war heute Unabhängigkeitstag. Da wollte ich zumindest mal kurz ins Stadtzentrum gucken.
Der buchstäblich im Feuer stehende armenische Soldat
als junge Frau. Vom Geschlechterbild durchaus
interessant
Erster Grund war der heutige Tag des Friedens, der sich in Armenien aber mit dem Unabhängigkeitstag überschneidet, so dass er entweder vor oder nach gefeiert wird. In diesem Fall wurde - unter anderem von meinem neuen Arbeitgeber - bereits am 20. eine Ausstellung von Kinderbildern zum Thema 'Ich bin ein Sämann des Friedens' eröffnet. Brutal gesagt: es war nicht so schlimm wie befürchtet. Zwar gab es durchaus die erwarteten Hommagen an den armenischen Soldaten, der in den besetzten Gebieten den Frieden mit der Waffe verteidigt, aber es gab auch die Bilder der Hoffnung, auf denen die Soldaten aller Seiten nach hause kommen. Ich fand es deutlich, dass die Kinder hier doch viel konkretere Vorstellungen von Krieg haben als ihre deutschen Altersgenossen. Auch wenn auch hier einiges an Tauben herumflatterten (auch ganz real vor dem UN Büro) fehlten doch die typischen Symbolbilder mit tanzenden bunten Kindern fast völlig.
Die Soldaten feiern zusammen (man beachte die türkische Fahne ganz rechts)
und kommen nach hause
 

Mein Versuch, einen Optiker zu finden, war weniger erfreulich, denn als erstes musste ich begreifen, dass keiner der vielen Optiker im Zentrum Brillen repariert. Sie verkaufen nur. Und machen bestenfalls Test für Sehstärken. Vermutlich haben die sehr schicken jungen Damen in den Geschäften mich sehr blöd angeguckt wegen meiner Frage, aber das konnte ich ja nicht sehen. Zum Glück hatte ein neuer Kollege, den ich bei der Ausstellungseröffnung kennen lernte, einen guten Optiker in einem Vorort und nahm mich gleich dahin mit. Hat es sich doch gelohnt halb blind mit Kind im Tuch durch das UN office zu stolpern. 

Der Unabhängigkeitstag war wenig bemerkenswert, zumindest unserem kurzen Spaziergang nach. Allerdings war letztes Jahr auch der 25. und wohl alle nach den Feiern zum Viertel Jahrhundert noch müde. So blieb es bei ein paar Fahnen, Luftballons und Kindern mit in den armenischen Farben geschminkten Gesichtern. Das Feuerwerk abends konnten wir sogar etwas über die Dächer der Häuser bewundern, Konzerte und Tanzaufführungen heben wir uns für nächstes Jahr auf. Vielleicht kann das Reisebaby dann schon auf die Kleinkind-Hüpfburg in armenischen Farben.


Und wenn meine Kisten nicht bald kommen, überfalle ich noch diese arme alte Frau mit ihrem Kinderwagen voller Basilikum.




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