Statt Wein

Ich hatte es wahrscheinlich schon erwähnt, aber noch mal ganz deutlich: Georgienreisen während Schwangerschaft und Stillzeit sind doof. Überall gibt es guten Wein und Menschen, die gar nicht verstehen, warum man nicht trinkt. Letztes Jahr war ich mehr als einmal so weit, dem nächsten, der mir erklärte, dass auch Georgierinnen in der Schwangerschaft trinken, zu antworten "Nun, das erklärt einiges!" Aber dann war ich doch zu höflich.
Das berühmteste aller georgischen
Wasser 
Um mich darüber hinweg zu trösten, dass ich immer noch keinen Wein trinken konnte (naja, ein bisschen diesmal wenigstens), habe ich mich daran gemacht, die verschiedensten Mineralwasser durchzuprobieren, Tatsächlich kann man zehn Tage in Georgien sein und jeden Tag in durchschnittlichen Supermärkten ein Mineralwasser kaufen, ohne zweimal das selbe trinken zu müssen. Wenn man noch etwas sucht oder unterwegs auch mal lokale Quellen ohne landesweiten oder sogar internationalen Vertrieb ausprobiert, geht es noch wesentlich länger. (Kennt jemand den Spruch, der Charles de Gaulle zugeschrieben wird, dass es unmöglich ist, ein Land mit 246 Käsesorten zu regieren? So was ähnliches könnte auch ein georgischer Politiker über sein Land und dessen Mineralwasser sagen - wenn er denn wüsste, wie viele Sorten es gibt.)
Ich glaube, ich habe es letztes Jahr in der Umgebung von Kazbegi mit dem ortskundigen Bruder eines Freundes auf fünf Mineralwasserquellen an einem Tag gebracht. Die meisten hatten nicht einmal einen offiziellen Namen - war ja auch nicht nötig, denn den Menschen aus der Umgebung, die hier ihre Kanister abfüllten, reichte ja der lokale Name. 
Diesmal habe ich mich durch industriell abgefülltes Mineralwasser mit so klangvollen Namen wie Bakuriani und Bakhmaro, Sno und Sairme, Nabeglavi und Likani gekostet. Mit Kohlensäure und ohne. Manche so geschmackfrei, dass ich genauso gut Berliner Leitungswasser hätte trinken können, manche so stark mineralisch, dass es nun auch nicht mein Ding war (zu dieser Gruppe gehörte auch das legendäre Borjomi). Ein etwas schlechtes Gewissen, denn bis auf Borjomi, die eine eigene Glasfabrik haben, sind alle auch Plastikflaschen.
Auch wenn die einzelnen Flaschen nicht viel kosten und auch für Einheimische erschwinglich sind, bringen Mineralwasser hier eindeutig Geld. Verschiedene Firmen kämpfen um Marktanteile und große Unternehmen wie Borjomi haben gleich eine ganze Reihe Marken unter ihrem Dach. Manche, wie Sno oder Sairme, sind vor allem für den georgischen Markt gedacht, andere wie eben Borjomi oder Nabeglavi gehen auch- oder sogar vorrangig in den Export - vor allen in andere Teile der ehemaligen Sowjetunion und - nachdem beide Marken von 2006 bis 2013 von dem großen russischen Markt verbannt worden waren - zunehmend auch in den Iran. 

Apropos Mineralwasser, Geld und Macht: Mein privater Favorit war Likani. Dann erklärte mir eine Freundin, von jeder verkauften "Likani-"Flasche ginge ein Teil des Erlöses an die Georgisch Orthodoxe Kirche und erinnerte mich wieder, wie diese vor vier Jahren das Zusammenschlagen von Schwulen nicht nur gerechtfertigt, sondern sogar unterstützt hat. 
Nicht mal Mineralwasser kann ich hier in Ruhe trinken.
Mineralwasser Sondersammlung
Armenien





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