Überstanden

Nix Besonderes - aber das erste Nachzugabteil des
Reisebabys verdient doch ein Bild.
Die beiden Nachtfahrten sind überstanden. Gut sogar, würde ich sagen. Die Hinfahrt war geprägt von saufenden Iranern, die sich offensichtlich mit georgischen Wein eingedeckt hatten, um dann in Yerevan aus dem Zug zu wanken und (meine böse Vermutung) gleich ins nächste Cognac-Geschäft weiterzuziehen. Dabei sprachen sie Aserbaidschanisch, was nicht verwunderlich ist, ist doch der größte Teile der Bevölkerung des Nordirans aserbaidschanischsprachig. Verblüffender war, dass der ältere armenische Schaffner ebenfalls Aserbaidschanisch sprach. Baku-Armenier? Vom Alter her könnte es noch gut hinkommen.
Das Streckennetz Armeniens scheint zu einer Zeit gebaut zu sein, als Weichen für Abzweigungen gerade schlecht lieferbar waren, denn wie ist es sonst zu erklären, dass die Strecke einen langen Bogen durch den Westen Armeniens macht, um noch das ganz an der türkischen Grenze gelegene Gyumri zu erreichen, bevor es wieder nach Osten und dann nach Norden, nach Tbilisi geht? Im Bahnhof Yerevan ist ein Eisenbahnmuseum, vielleicht hätte ich da mal reinschauen sollen (Habe ich ehrlich gesagt schon mal, aber alles wieder vergessen.) Gelegenheit hätte ich gehabt, denn die Fahrtkarten von Yeravan nach Tbilisi kann man natürlich nicht in Tbilisi kaufen. Und natürlich hatte der Ticketschalter noch nicht auf, als wir um sieben in Yerevan ankamen. Also am Nachmittag noch mal zum Bahnhof am Rand (und zwar am äußersten Rand) der Innenstadt. Immerhin hat er einen guten U-Bahnanschluss - das ist mehr als man vom Berliner Hauptbahnhof sagen kann. Aber Yerevan hat auch nur eine U-Bahnlinie.


Eindrucksvoller Wartesaal, vor allem wenn man bedenkt,
dass es kaum innerarmenische Züge gibt und die einzigen
internationalen Züge die Verbindung nach Tbilisi
alle zwei Tage ist. Die Strecken nach Aserbaidschan, Iran
und Türkei sind alle gesperrt.
Die Rückfahrt war einerseits besser, weil ich schon ungefähr wusste, wie ich mich mit Kind auf der engen Liege zusammenrollen konnte, andererseits anstrengender, weil die Grenzkontrollen nerviger waren. Ok, nach der Hinfahrt war mir klar, dass sich in so einem Eisenbahnwagen locker Pässe in fünf verschiedenen Schriften befinden können (Armenisch, Georgisch, Kyrillisch, Arabisch bzw. Persisch und Lateinisch) und natürlich ist es imperialistisch anzunehmen, dass ausgerechnet Lateinisch beherrscht wird, aber es hätte doch einiges erleichtert. 
Bahnhofsdecke.

Zwei Erkenntnisse: 1) In meinen nächsten Reisepass kommt der Dr.-Titel nicht mehr rein. Sonst werde ich noch wahnsinnig, wenn ich versuche zu erklären, warum das Reisebaby und ich nicht den exakt selben Nachnamen haben. 2) Künftig überquert das Reisebaby innerkaukasische Grenzen nur noch in rosa Rüschen. Ein Mädchenname im Pass und ein Baby im blauen Body ist offensichtlich zu viel für arme Grenzer.


Der Turm des Bahnhofs in Yerevan in extra groß.
damit man den Witz erkennt: Auf der Spitze, wo früher
Hammer und Sichel prangten, hat man nun
die Umrisse des Araratmassivs in den Kranz eingefügt,
sonst aber alles unverändert gelassen.
Und Yerevan? War auch schön - alte Freundinnen gesehen, neue kennengelernt, herrliches Wetter genossen (bis auf den Regenguss auf dem Weg zum Zug zurück - natürlich!), und tatsächlich auch noch einige Ecken kennengelernt, die ich noch nicht kannte. Dazu morgen oder übermorgen mehr. Erst muss ich Schlaf nachholen.

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