Die Präsenz der Lämmer




Vor anderthalb Jahren (erst?schon?) postete ich hier eine Sammlung von Street Art in Tbilisi. Nun konnte mir nicht entgehen, dass eine neues Thema Orte und Unterführungen beherrscht. Die Präsenz des Lammes unübersehbar. Ich hatte ja hier schon ein Bild gepostet, bei dem ich mich fragte, ob die georgisch orthodoxe Kirche nun Sinn für Humor entwickelt habe. Angesichts des süßen Lamms vor dekorativer Bergkulisse oder mit einer Portion Khinkali hatte ich dann eher das Tourismusministerium im Verdacht. Mit etwas Recherche stellte sich dann aber heraus, dass hinter LAMB ein junger Künstler aus Tuscheti, einer ländlichen Region Georgiens im Hohen Kaukasus steckt. Die Tuschen sind traditionell Schäfer und es soll in der Region deutlich mehr Schafe als Menschen geben - was bei einer Gesamtbevölkerung von etwas über 5000 jetzt auch nicht so unglaublich schwer ist. 

Der Künstler Mishiko Sulakauri will mit seinen Arbeiten offensichtlich sowas wie die "Natur des Georgiers" darstellen. Zumindest hat er sowas in einem Interview anlässlich seiner ersten Ausstellung im letzten Herbst gesagt. Demnach verspeist der Georgier erstaunlich viele der großen Teigtaschen Khinkali (ok, dem kann ich zustimmen), er träumt vor Bergkulissen (vermutlich auch nicht ganz falsch), seine Phantasie kann sehr bunt sein und kurvige nackte Frauen enthalten (ich habs ja schon immer geahnt) und manchmal steht er auch einfach nur mit verschränkten Armen an einer Hauswand herum (ist mir auch schon aufgefallen, allerdings kommt ein Schaf da selten allein). Ganz so unschuldig scheint mir das kleine Lämmchen in der großen Stadt dann doch nicht zu sein. Vor allem, wenn man dann im Interview liest, dass zu den Träumen des Künstlers ein Shop gehört in dem (zugegeben nicht nur) er seine Werke als typisch georgische Kunstartikel an Touristen verkaufen kann. Das ist zwar mal was anderes als Püppchen in georgischer Tracht, aber ist für mich dann auch keine Kunst mehr. Von der angeblichen ironischverpackten Kritik an herrschenden Verhältnissen mal ganz zu schweigen. 
Aber immerhin sind die Unterführungen bunter.







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