Borjomi - mal (fast) ohne Wasser

Lange hat es uns nicht in Tbilisi gehalten, auch wenn die ersten Streifzüge entlang des Rustaveli und durch die Bahnhofsgegend schon eine Menge Neues brachten, das unbedingt weiterverfolgt werden muss. Aber erstmal ging es in die Berge. Vier Stunden mit dem Bummelzug nach Borjomi waren gegen Ende zwar nur noch durch die wirklich prachtvolle Bergkulisse erträglich, aber billig und das Reisebaby hatte viele Fans, von denen es bespaßt wurde, so dass zumindest bei ihr keine Langeweile aufkam. So kann man es wohl als positive Erfahrung verbuchen.
Über das berühmte Borjomi-Wasser hatte ich letztes Jahr schon geschrieben (hier), Damals kam aber die Architektur der Russischen Kolonialzeit deutlich zu kurz. Eigentlich erstaunlich, denn vor einem Jahr war ich eher wegen der Geschichte hier,und heute wegen des Wassers. Trotzdem diesmal vor allem Bilder aus der Glanzzeit - der zarischen wie der sowjetischen - des Kurortes.
Holzschnitzerei, verwittert

Vielleicht hatte ich mehr Sinn für die wunderschönen Holzhäuser, weil ich mehr Glück mit dem das Wetter hatte - der angekündigte Regen kam zwar, war aber eben so schnell vorbei wie gekommen - und ich deshalb nicht nur mit gesenkten Kopf durch den Ort hastete,vielleicht weil einige der Häuser jetzt fertig waren, die letztes Jahr noch vor allem Baustelle waren. Auch für die Andenkenstände blieb etwas Zeit - ziemlich viel sogar, denn eine Menge Recherchen mussten leider ausfallen. So war es leider nicht möglich, ein Interview mit jemanden der großen Mineralwasserabfüllanlagen zu führen oder gar in eine der Fabriken reinzukommen. Die Produktion des berühmtesten Mineralwassers diesseits des Eisernen Vorhangs bleibt Betriebsgeheimnis, auch wenn ich eine Reihe Fragen noch mal an den Pressesprecher geschickt habe. Mal sehen, ob ich noch erfahre, wie viel Flaschen Borjomi hier nun täglich abgefüllt werden,wie viel von den Quellen im benachbarten Likani und Bakuriani, wie viel in den Export geht, und wem die Firma denn nun genau gehört (sind da wirklich die Russen beteiligt, wie so gerne behauptet wird?)
Falls ich auf solche unverschämten Fragen noch mal Antwort bekomme, werde ich es hier verkünden. Solange: Abwarten und Quellwasser trinken.


Oder eben an den Souvenirständen bummeln: Es gibt Honig, Marmelade und diese papierdünnen Fladen aus getrocknetem Fruchtfleisch, die sich anfühlen wie Plastik - und vermutlich genau deswegen sogar für das Reisebaby attraktiv sind, schließlich mag es sonst vor allem die Verpackungen von Tempo-Taschentüchern. Ich probiere ein paar Sorten von Kiwi bis Erdbeere und beschließe, dass der Klassiker, Aprikose, wohl am besten ist. 

Außerdem bin ich beeindruckt von den Holzarbeiten: Schneidebretter, Nudelhölzer, kleine Schalen und Vorratsdosen aus Holz mit schöner Maserung (nein, die kleinen Schalen sind nicht für Oliven, sondern für Wein, und die Eierbecher sind für Schnaps - Himmel, Anfängerfehler, nicht in Alkoholkategorien zu denken!). Irgendwo müssen hier gute Handwerker sitzen, die aus dem Holz der dichten Mischwälder so etwas produzieren.

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