Vertrautes und Neues

Ich liebe es ja, an Orte zurück zu kommen, die mittlerweile vertraut geworden sind. Je nach Ort mehr oder weniger, natürlich. Nach Şirince komme ich immer gerne zurück. Diesmal wohl zum letzten Mal und der Abschied sowohl von dem Bergdorf oberhalb von Ephesos fällt mir ebenso schwer wie von den Kollegen, mit denen ich hier in den letzten fünfzehn Monaten immer wieder gearbeitet habe.
Mall mit Artemistempel. Noch nimmt zumindest das Monster
noch niemandem die Kunden weg, denn es ist eine Baustelle.
Deshalb kam ich auch nicht näher ran. Aber das WC-Schild
ist auch schon mal spitze.

Das Problem ist, dass es wenig Neues gibt, über das ich hier bloggen könnte. Über die griechischen Verweise - sei es auf antike Götter oder byzantinische Heilige, habe ich schon geschrieben. Auch die Probleme des Tourismus haben sich nicht verändert, es werden immer weniger, vor allem Individualreisende. Vermutlich noch weniger durch die Anschläge in Istanbul - wieder sahen wir in der Idylle im Fernsehen die Trauerzüge, aber diesmal scheint alles schon Routine zu sein, der große Schrecken, den Ankara im Herbst hinterlassen hat, ist einem resignierten Achselzucken gewichen.
Kreuzfahrtschiffe spucken natürlich immer noch tausende nach Ephesos und ein Teil kommt auch in Şirince an, aber Händler und Pensionsbesitzer klagen dennoch - unsere Studierenden, die Befragungen durchführen sollten, im Übrigen auch. Letztendlich hatten wir dann aber doch ein schönes Bild von dem, was Touristen an Filzprodukten kaufen würden, bekommen. Dazu vielleicht später mehr, wenn alle Ergebnisse da sind.


Eine neue Entdeckung habe ich in Şirince dann doch gemacht, besser gesagt, die Kollegen haben sie gemacht: Den Wunderheiler. Schon seit dem letzten Mal schwärmt eine Kollegin von dem Mann, der offensichtlich Wunder verbringen kann Hände auflegt und heilende Steine verkauft. Vor allem Rücken- und Nackenprobleme sowie Migräne sind sein Spezialgebiet. Ich war skeptisch. Natürlich war ich skeptisch, aber die ethnologische Neugier war stärker. Der Laden mit tausenden von Schmucksteinen in den verschiedensten Formen von naturbelassen bis zu ausgefeiltem Schmuck, war auf jeden Fall schon mal beeindruckend und tatsächlich anders als die anderen gefühlten tausend Andenkenläden in Şirince, in denen einfach alles von Seife über Steine zu Ledertaschen verkauft wird. Auch der Heiler war sympathisch. Er trat völlig bodenständig auf, musste sich erstmal einen Kaffee machen, weil wir seinen Mittagsschlaf gestört hatten, und massierte dann völlig professionell den Nacken einer Kollegen, die mit Kopfschmerzen kämpft. Meine geprellte Schulter behandelte er mit ein paar Gymnastikübungen und einem kalten Tuch. Fast war ich schon enttäuscht, offensichtlich doch nur bei einem guten Krankengymnasten gelandet zu sein. Dann packte er für ein Hautproblem meiner Kollegin eine Mischung aus fast fünfzig winzigen Steinen in einer rosa Plastikflasche mit Sprühkopf zusammen und erklärte, sie solle sie mit Wasser füllen, dass Wasser eine Stunde ziehen lassen und dann regelmäßig auf die betroffenen Stellen sprühen. In drei Monaten wäre sie geheilt. Wir sind gespannt und ich hatte wenigstens noch etwas Klischee-Esoterik.

Übrigens, wer den Heiler sucht, findet ihn unten an dem kleinen Marktplatz, ganz am Ende der Einkaufsstraße von Şirince. Besser kann ich es nicht erklären. Aber man kann auch nach dem "Heiler mit den Steinen" fragen. Meistens wissen die anderen Händler Bescheid.




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