Reisen in Georgien

Angepasste Öffnungszeiten:
Touristeninformation am Flughafen Tbilisi.
Da mache ich große Versprechungen, noch etwas nachzutragen und dann bricht erst der Computer und dann das Internet zusammen. Jetzt nun wenigstens die Notizen und Bilder zum Reisen in Georgien - oder zu erst einmal nach Georgien. Wie in alle Länder des Kaukasus und Zentralasiens kommen die meisten Flüge mitten in der Nacht an. Georgische Kollegen erklären zwar, das hätte mit dem Umbau des Flughafens zu tun, aber ehrlich: es war schon immer so. Die Touristeninfo am Flughafen hat sich darauf eingestellt.

Zum ersten Mal bin ich auch auf Inlandsstrecken viel Zug gefahren. Dauert zwar meistens etwas länger, aber gerade auf längeren Nachtstrecken ist es dann wieder eine Zeitersparnis. Außerdem liebe ich post-sowjetische Nachtzüge, man trifft eigentlich immer interessante Menschen: aserbaidschanisch-russisch-georgische Patchworkfamilien, Studierende, Händlerinnen zwischen Kleinstädten und der Hauptstadt, die die ganze Nacht im Stehen verbringen, weil ihre Liege voller Gemüse ist, Aussteiger und Globetrotter aus der ganzen Welt. Wein und Essen wird gerne geteilt und wenn man sich mit dem Schaffner (oder meistens der Schaffnerin) gut stellt, gibt es auch noch einen Tee am Morgen. Außerdem als besonderen Luxus für Bundesbahn-gewöhnte: Die Züge sind langsam, aber pünktlich. Fast immer. Wow.

Am häufigsten war ich aber doch mit der Marshrutka, dem Minibus unterwegs.
In Tbilisi heißt dass, zuerst einmal das Chaos an der U-Bahnstation Didube überstehen. Busbahnhof und Markt sind hier – wie fast überall in Georgien - untrennbar verbunden: geordnete Reihen mit Markständen für Kleidung, Haushaltswaren und Lebensmitteln in unklarer Ordnung, (zumindest für den Uneingeweihten) ungeordnete Reihen mit Marshrutkas und Taxis, Bettler und fliegende Händler mit Plastikspielzeug, Gebäck und Sonnenblumenkernen für die Reise oder auch mit Ikonen und Kerzen, Ankommende, Abfahrende, Händler und Käufer. Die Angebote der Männer an eine alleinreisende Ausländerin variieren zwischen den von ihnen gerade angebotenen Produkten zu astronomischen Preisen, Fahrtzielen zu einer ebenfalls unglaublichen Preisspanne oder Phantasien, von denen ich nicht dachte, dass irgendjemand sie öffentlich diskutieren möchte. Je nach Laune (und auch je nach Länge meiner Aufenthaltsdauer im Kaukasus im Allgemeinen und in Didube im Besonderen) finde ich das entweder herrlich amüsant oder den schlimmstmöglichen Anschlag auf meine Nerven.


Bei der Fahrweise mancher Fahrer braucht es schon eine
Menge Heiliger um gut anzukommen.
Es ist in Didube wie in ganz Tbilisi deutlich besser geworden mit der Präsenz lateinischer Buchstaben, aber gerade für kleinere Orte stehen die Chancen immer noch schlecht. Davon, wie man ohne Georgischkenntnisse aus besagten kleineren Orten weiterkommt, reden wir gar nicht erst. Georgische Gastfreundschaft hat an Busbahnhöfen ihre Grenzen und ein genervtes: "Da drüben steht der Bus doch!" hilft der Analphabetin vor zehn Bussen dann doch wenig. Aber ich bin ja doch immer angekommen. Was will ich mehr.

Kommentare