Das heilende Wasser

Blick von der oberen Seilbahn-
station
Da es in diesem Blog nun schon eine Weile keine vernünftige Ordnung mehr gibt und ich mehr oder weniger willkürlich nachtrage, was mir von meinem Zick-Zack durch Georgien noch an halben Texten auf dem Computer herumschwirrt, kann ich auch noch einen Beitrag über Borjomi verfassen, auch wenn mein Besuch da nun schon Ende April war (ich hoffe, jetzt ist das Wetter da besser!)
Jeder, der die ehemalige Sowjetunion kennt, kennt Borjomi. Zumindest das Mineralwasser, das hier aus der Erde sprudelt. „Borjomi“ als Marke war bekannt und geschätzt und bis heute wird der Geschmack gepriesen. Leicht salzig, schwefelig, deutlich mineralisch - ich behaupte ja immer, man muss damit aufgewachsen sein, es als Delikatesse anzusehen, um es genießen zu können, aber amerikanische Freunde können sich auch dafür begeistern. Muss also an mir liegen.
Aber egal, ob ich das Wasser nun mag oder nicht, Borjomi wollte ich dann doch sehen. Der Ort liegt in den Bergen Kura aufwärts von Tbilisi. Seit der Mitte der 19. Jahrhunderts ist der Ort einer der beliebtesten Kurorte des Kaukasus - ja, ganz Russlands. Alte Häuser rund um den Kurpark zeugen noch von der Zeit als selbst der Zar in der Nähe einen Sommerpalast hatte.
Auch in sowjetischer Zeit war Borjomi beliebt. Die damals gebauten Ferienanlangen sind heute weniger ansehnlich, graue Betonklötze, manchmal mit etwas bemalten Wänden, in denen heute nach wie vor Vertriebene aus Abchasien wohnen. Die sind zwar an einem der Traumorte jedes Sowjetbürgers gelandet, aber soweit ich das verstehe, sind sie auch von einem solchen geflohen. Ihre Begeisterung hält sich deshalb vermutlich in Grenzen. Trotz des Kurorts.
Ganz frischgestrichener Pavillon über der Warmwasserquelle
im Kurpark
Allerdings ist der Erholungseffekt des weitläufigen Kurparks mit seinen Cafés und Spielmöglichkeiten für Kinder wird bei meinem Besuch etwas geschmälert: Es ist Nebensaison und wie an vielen Orten in Borjomi ist man eifrig dabei, für den Sommer zu renovieren und zu bauen. Der Lärm von Bohrer und Betonmischer und der Farbgeruch wollen nicht in die Bergidylle passen. Dafür sind die Schlangen an den wenigen Hähnen, aus denen das Quellwasser kommt, nicht ganz so lang wie im Sommer - und ja, auch ich trinke hier von dem Wasser.
Wer nicht nach Borjomi kommen kann, kann sich seit über hundert Jahren das so wundertätig gegen Magen- und Darmbeschwerden wirksame Wasser auch per Flasche liefern lassen. Restaurants im Baltikum wie in Zentralasien haben "Borjomi" mit dem Bild des Kurpavillons und der Seilbahn vom Kurpark auf den nächsten Berg stolz auf der Speisekarte. Nur Russen mussten in den Spannungen der 2000er zwischen Georgien und Russland auf ihr Borjomi ebenso verzichten wie auf georgischen Wein, denn Russland hatte den Import gestoppt.
Von der Tour durch die Abfüllanlange am Ortsrand, die es angeblich in der Touristensaison geben soll, wusste man in der Touristeninfo leider nichts. Schade, das hätte mich schon interessiert.

Abfüllanlage für Borjomi, Aufnahmedatum unbekannt.
(übrigens mal wieder einer meiner informativen Bauzäune!)

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