Zypern international

Ein Ägypter hat mit ein paar Sprengstoffattrappen ein Flugzeug entführt und den Piloten gezwungen, nach Zypern zu fliegen. Der zypriotische Ministerpräsident (?) soll so etwas gesagt haben wie "Das ist kein Terrorist, das ist ein Idiot."Auch wenn ich das Zitat dann doch anzweifele, würde ich es unterschrieben. Schon weil jemand, der ein Flugzeug nach Zypern entführt, dies wenigstens nach Nordzypern lenken lassen sollte, wo jede Auslieferung durch den Status des Landes als eigentlich nicht existent erschwert werden sollte. Aber der Herr hatte gute Gründe, auf Larnaca zuzusteuern: Er wollte seine Ex-Frau sprechen, die dort lebte. Man könnte sagen, der Mann hat Stalking noch mal auf eine völlig neue Ebene gehoben (und damit gleich noch die israelische Luftwaffe alarmiert, die Angst hatte, dass aus der Entführung ein Anschlag auf Israel werden würde.)
Was mich dazu bringt, die Geschichte hier zu erzählen, ist, dass mir noch mal bewusst wurde, wie zentral diese Insel am Rande Europas doch für den Nahen Osten liegt. Syrien und der Libanon sind keine zweihundert Kilometer übers Meer entfernt, Ägypten vielleicht vierhundert, die kürzeste Strecke in die Türkei sollen achtzig sein. 
Und die Bevölkerung ist international. Nicht nur Griechen, Türken, Armenier und Briten, auch viele Russen leben hier. Nachdem ich mich in meinem Hotel als Russisch-Sprecherin geoutet hatte, hatte ich zwar kein ruhiges Frühstück mehr, aber dafür von den Küchenfrauen viel erfahren über die russische Gemeinde, die vor allem in den 1960er und 1970 er Jahren aus der Sowjetunion kam (wie auch immer, das hatten die Eltern offensichtlich nicht so genau erzählt!) und immer noch Kontakte zu den Familien in Russland hält. Viele besuchen regelmäßig das Land ihrer Eltern, aber weder sie noch die Eltern überlegen ernsthaft die Rückkehr. Da jetzt der russische Tourismus nach Zypern so steigt, sind die Stellen im Hotelgewerbe für die zweite und dritte Generation, die meistens Griechisch, Russisch und Englisch fließend spricht, sehr gut.  Die neue Welle Flüchtlinge sammelt sich um eine Moschee und einige halal-Läden im griechischen Teil Nikosias. Die arabischsprachigen Männer scheinen nicht viel anderes zu tun zu haben als zusammenzusitzen und zu reden. Immerhin haben sie es in die EU geschafft. Wie es weitergeht, weiß offensichtlich niemand.
Außerdem fielen auch die vielen Schwarzen im Stadtbild von Nikosia auf. Mehr als in Berlin, auch wenn das nun nicht sehr viel heißen will. erst dachte ich, es hätte vielleicht etwas mit dem britischen Erbe zu tun - eine seltsame Verbindung zwischen zwei Ecken des Empires, aber dann stellte ich fest, dass die wenigsten Schwarzen Englisch sprachen. Zufällig kam ich dann an einer Bushaltestelle im türkischen Teil mit einer Gruppe junger Männer ins Gespräch - auf Türkisch! - die ich dann mal fragte, wo sie herkämen: Aus der Zentralafrikanischen Republik. Bitte woher? Ja, sie wären Techniker (welcher Art auch immer) und ein Lehrer von ihnen, der auch mal auf Zypern gearbeitet hätte, hätte sie hier an eine Baufirma vermittelt. Schöne Insel, gutes Klima, viele Baustellen - sie wären sehr zufrieden. Andere Kollegen kämen aus dem Kongo oder Sudan
Dazu kommt, dass auch Zypern (vor allem der Norden, interessanter Weise) in das internationale Rennen um Zweigstellen ausländischer Universitäten gegangen ist. Über all entstehen Unis, die mit internationalen Abschlüssen werben und tatsächlich treffe ich auch eine Reihe Studierender aus Europa, die hier vor allem wirtschaftliche Fächer studieren. Dass sie international anerkannte Abschlüsse in einem nicht international anerkannten Land erwerben, scheint dabei kein Problem zu sein. Auch interessant.

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