Vermischtes

Eigentlich wollte ich ja die traditionellen 10.Dezember-Nobelpreis-Posts künftig lassen - wie oft kann man über die Nobels in Baku und das Öl schreiben? Trotzdem dieses Jahr wieder, aber nur um auf die diesjährige Literaturnobelpreisträgerin hinzuweisen: Swetlana Alexijewitsch. Wenn ich ihre Texte lese, fühle ich mich wie in die Küchen zwischen St.Petersburg und Bischkek, Moskau und Baku versetzt und höre die Stimme meiner Gastgeber über die Sowjetunion und die Zeit danach erzählen. Man kann nicht sagen, dass sie diesen Menschen eine Stimme gibt - die überträgt die Stimmen dieser Menschen einfach perfekt in eine Schriftform. Es ist bemerkenswert, dass ich schon viele Menschen getroffen habe, die nie in der ehemaligen Sowjetunion waren, und die ihre Bücher übertrieben, unwahr und sinnlos finden - aber noch keinen, der diese Länder und Menschen kennt, und nicht begeistert ist. Wenn es jemand verdient hat, die Zinsen des Bakuer Ölgelds zu genießen, dann sie (Die vermutlich nie nach Aserbaidschan eingeladen werden würde. Dazu ist ihr Text über das armenisch-aserbaidschanische Paar in Moskau zu wahr.)

Die wichtigste Nachricht aus Baku: Nach dem vor ein paar Wochen Arif Yunusov aus dem Gefängnis in den Hausarrest entlassen wurde, ist nun auch seine Frau Leyla Yunus entlassen worden. Die erste Freude, mit der ich durch die Bilder, wie er sie im Gefängnis abholt, geklickt habe, machte schnell Entsetzen Platz: Auf den Prozessbildern hatte sie ja noch stark und ungebrochen gewirkt, jetzt ist sie nicht wieder zu erkennen. Bevor irgendein Leser (habe ich Leser? - Egal) jetzt trotzdem in Begeisterung über die Verbesserung der Situation in Aserbaidschan verfällt, wie es offensichtlich einige Diplomaten tun: Es ist kein Freispruch, sondern ein Gnadenakt, weil offensichtlich keiner Interesse daran hat, dass das Ehepaar Yunus im Gefängnis stirbt. Es sitzen auch so noch genügend politische Gefangene in aserbaidschanischen Gefängnissen. 

Die armenische Verfassung ist natürlich angenommen worden. Auch wenn ich meinen armenischen Freunden glaube, dass es dabei nicht mit rechten Dingen zugegangen ist, muss ich sagen, dass die Ergebnisse für gefälschte Wahlen schon umwerfend schlecht sind: Etwas über 50% Wahlbeteiligung (nur ein Drittel der Wahlberechtigten mussten überhaupt teilnehmen, damit das Referendum gültig ist) und eine Zustimmung von 66%spricht nicht gerade für Enthusiasmus unter den Wahlberechtigten. Im Augenblick herrscht gespannte Stille, aber sobald die nächsten Schritte des "näheres regelt ein Gesetz" in Form von Gesetzesänderungen kommen, wird es interessant. 
Ach ja: die einzigen zugelassenen Wahlbeobachter waren Russen, die keine Unregelmäßigkeiten feststellen konnten. Meine Freunde verdrehen die Augen und fragen "Welche Wahlbeobachter?".

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