Flüchtige Eindrücke

Oft bin ich in den letzten Wochen gefragt worden, ob man an der türkischen Westküste eigentlich etwas merkt von den Dramen, die sich gerade in der Ägäis zwischen Türkei und Griechenland abspielen. Gute Frage. Andere Frage: Was sollte man eigentlich sehen? Auf der Straße campierende Familien, die arabisch sprechen? Dunkle Herren, die sie ansprechen, und Geldbündel, die den Besitzer wechseln? Plastikboote an abgelegenen Stränden?
War der Goldhandel immer so präsent?
Nein, die Requisiten des Dramas stehen hier nicht so offen rum. Und doch, ja - wenn man genau hinguckt, sieht man kleine Veränderungen, seltsam Strukturen. Warum ist der Park neben dem Hotel in Izmir an einem Abend schlagartig mit arabisch sprechenden Großfamilien voll, die am nächsten Tag verschwunden sind? Und drei Tage später dasselbe wieder? Gab es immer schon so viele Schilder mit arabischen Buchstaben? Wurde immer schon der Goldpreis genauso groß wie die Fremdwährungen in den Wechselstuben angeschlagen? Meine Istanbuler Freundin zuckt die Achseln: Die arabischen Schilder gibt es zumindest in Istanbul schon seit Jahren, die campierenden Flüchtlingsfamilien sind auch nicht neu und dass niemand mehr dem Dollar oder Euro vertraut, ist auch verständlich. Stimmt alles. Trotzdem fühle ich mich unglaublich hilflos, wenn vor mir in der Wechselstube ein Mann ein Paar Goldringe und eine Kette mit Medaillon gegen ein kleines Bündel Euros tauscht. Wenn eine Mutter mit einem Kind im Vorschulalter vor einem Schild, auf dem ein Kellner gesucht wird, steht und arabisch buchstabieren übt. Wenn wir am Strand sitzen und die griechischen Inseln so unglaublich nah zu sein scheinen. Für uns. 

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