Poznan

Ohne die Notiz zum 1. September hätte ich vermutlich gar nichts zu Poznan geschrieben, aber nun doch ein paar Bilder der Stadt - ab und zu darf es auch ein bisschen Reise-Blog sein. Poznan war ein schönes Ziel für den letzten Hochsommer und ersten Herbsttag des Jahres: Bei der Hitze boten die Cafes rund um den alten Marktplatz kalte Getränke, Eis und abends Bier zwischen Touristen aus ganz Europa. Ich bedaure nur, dass ich bei der Hitze kaum Alkohol vertrage, denn das "Bier-Gedeck" mit drei verschiedenen kleinen Bieren in Gold- und Brauntönen sieht schon sehr attraktiv aus.
"Platz" ist für den Markt etwas missverständlich, denn offensichtlicher Mangel an Baugrund hat eine Menge Bauten auf diesem Platz entstehen lassen, der in der Mitte damit eher ein Labyrinth als freier Raum ist. Das kommt mir aber auch aus Belgien nicht ganz unbekannt vor, nur dass es hier eine Mischung aus Renaissance und Plattenbau ist. Wer richtiges Marktleben sucht, wird auf einem Platz nebenan fündig: eng gedrängte Marktstände mit Obst, Gemüse, am Rand etwas Küchenwaren. Die Himbeeren sind himmlisch, die Mirabellen auch nach einem halben Kilo Zucker zuhause kaum genießbar. 

Die Mischung aus alt und neu gilt für die ganze Stadt, die 1945 gründlich zerstört war (ich habe mich im letzten Post übrigens geirrt: Poznan war ab 1918 polnisch, aber mit einer großen deutschen Minderheit). Allerdings mit einem deutlichen Gewicht auf alt (bzw. auf wiederaufgebaut). Die Altstadt ist voller Hostels, Cafes und Bars, man hofft, ein junges Publikum anzuziehen. Ob Poznan schon entlang der Interrail-Routen liegt? Billigflüge gibt es zumindest noch nicht in großer Zahl, dafür ist die Bahnfahrt von Berlin aus billig und schneller, als man in Schönefeld einchecken kann.



Das steht da auf dem Platz rum.


Am nächsten, plötzlich so viel kühleren Tag konnte man durch die Stadt schlendern. Haupteindruck: Kirchen. Viele Kirchen: Jesuiten-, Franziskaner-, Dominikaner-, Karmeliter-. ... Kirchen. Die Gegenreformation hat nichts ausgelassen hier. Und tatsächlich auch Priester, Mönche und Nonnen auf den Straßen. Die Katholizismus lebt hier offensichtlich noch.

                        
Der Dom. Von innen der Wahnsinn. Das Backsteingotik so schön sein kann!
Außerdem ist es eine gute Einstimmung in die nächste Etappe bei mir: Lwiw. "Galizien. Also fast Österreich," sagt mein Nachbar, der Historiker ist. "Du meinst Polen," meint ein polnischer Freund grinsend. "Sprich da bloß kein Russisch, das sind Ukrainer," warnt meine Freundin aus Odessa. Die West-Ukraine kann nur interessant werden.

Ich habe keine Ahnung, wer das ist, aber er erschien mir auf dem Rückweg ins Hotel wie ein
monumentaler Gruß aus sozialistischen Zeiten.

PS Ich stelle betroffen fest, dass ich immer weniger Besucher auf meinem Blog habe, wenn ich schreibe, als wenn ich mich wochenlang nicht melde. Das sollte mich wohl beunruhigen. Trotzdem mache ich erstmal weiter. 

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