Kiew - für den Anfang

Ich habe ja schon mal geschrieben, dass ich eigentlich selten im klassischen Sinn reise. Kofferpacken, fremde Flughäfen, Hotelsuche, niemand, den man anrufen kann: Ich bin jetzt da - alles nicht so mein Ding, Ich weiß nicht mal, ob ich eigentlich gerne Neues sehe. Ich mag es, das Vertraute zu beobachten und darin Neues zu finden, aber gleich eine ganz neue Stadt oder gar ein ganzes Land muss es eigentlich gleich werden. Vermutlich bleibe ich deshalb immer in der ehemaligen Sowjetunion, denn da bleibt doch vieles vertraut.
Aber es lohnt sich (meistens) eben doch. Diesmal: Kiew. Und ich bin begeistert. Die Stadt ist einfach wunderschön - ok, ich bin vielleicht nicht direkt verwöhnt, was schöne Städte angeht, die meisten, in denen ich mich aufhalte, schlagen einen eher wegen ihrer Lebendigkeit, ihren Veränderungen, ja manchmal auch ihrer Brutalität in den Bann. Sie haben viele schöne Orte, sie sind aber selten mehr als eine Straße lang schön. 
Die Stadt beantwortet für mich eine Frage, die mir immer mal wieder gestellt wird, die Frage, welche Stadt ich denn empfehlen würde, wenn der Fragende, sich denn mal nach Osten trauen würde. Die Stadt für Anfänger in der Post-Sowjetunion also. Bitte sehr: Kiew. 

1) Kiew hat alles, was man von einer russischen (pardon, das ist jetzt überhaupt nicht politisch gemeint) Märchenstadt erwartet: Bunte, verzierte Kirchen mit unzähligen Kuppeln, Klöster, Ikonen, Mönche und Menschen jeden Alters, die hier beten, Kerzen anzünden und auf Wunder hoffen.





Der Treffpunkt "An der Kirche mit den goldenen Kuppeln" 
ist in Kiew unter Umständen etwas ungenau...

2) Viele Straßen mit ihren prachtvollen Bürgerhäusern könnten die Kulissen für die großen Szenen der russischen (noch mal sorry) Literatur sein - und tatsächlich begegnet man manchem bekannten Autor, und nicht nur, weil dieses Wochenende gerade Gogol-Festspiele sind.




Genauso habe ich mir den Autor von "Der Meister und Margarita" immer vorgestellt.
Bis auf die glänzende Nase, natürlich.

3) Trotzdem ist auch die sowjetische Vergangenheit nicht zu übersehen, so dass der Anfänger sich schon mal an Plattenbausiedlungen, verwilderte Parks, Kioske und Spielhallen entlang der großen Straßen gewöhnen kann. Außerdem an stalinistische Prachtbauten, versteckte Ukrainische SSR-Embleme und mein sowjetisches Lieblings-Blau.



Greifen und Hammer und - Hammer? 
4) Dass auch die Geschichte der unabhängigen Ukraine spannend ist, dürfte niemanden in den letzten Jahren entgangen sein. Auf dem Maidan erinnert vieles an die Proteste vor anderthalb Jahren. Dennoch wirken die Menschen entspannt und die Polizeipräsenz hält sich in Grenzen. Auch mal schön für den Anfang.



Eines der Mahnmale für die Getöteten der Maidan Proteste und enspanntes Plantschen am
Denkmal der Unabhängigkeit auf dem Maidan.

Genug für den Anfang. Wenn ich mich anstrenge, schaffe ich vielleicht noch den Post "Kiew für Fortgeschrittene".



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