If it is Tuesday...

... it must be Belgium. So überschrieb eine Bekannte vor ein paar Monaten einige austauschbar aussehende Bilder von Flughäfen, die sie auf einer unfreiwilligen Odyssee entlang der eingeschneiten US-Ostküste gemacht hatte. 
Die Frage nach der internationalen Austauschbarkeit von Flughäfen scheint in Wissenschaftlerkreisen umstritten zu sein. Ich erinnere mich an den Flug zu einer Konferenz in Tbilisi, als auf dem Istanbuler Flughafen eine mir bis dahin unbekannte Kollegin aus dem Stehgreif begann, einen Vortrag über Mark Auges "Nicht-Orte" und die Anwendung des Konzepts auf Flughäfen zu halten. (Wie ich im Lauf der nächsten Tage feststellte, konnte sie auch nur Auge. Zumindest bezog sich jede Frage, die sie stellte - und das waren leider nicht wenige - auf ihn). Eine andere Kollegin versuchte das Gegenteil zu beweisen und die nationale Verortung des Istanbuler Flughafens darzulegen. Ich hielt mich zurück und überlegte, ob ich mir wirklich einen Kaffee zum vierfachen Normalpreis leisten wollte.
Nun war ich im März und April eindeutig auf zu vielen Flughäfen. Grund, sich der Sache noch mal theoretisch und empirisch zu nähern.

Atatürk Flughafen/Istanbul
Ja, das im Hintergrund sind alles Weinflaschen. Klarer Regionalbezug: Bei der ständig steigenden Alkoholsteuer muss man ja im Duty Free Shop einkaufen. Ich glaube wirklich, es werden mit jedem Anti-Alkohol-Ausfall Erdogans mehr Flaschen. Viel Kapazität ist allerdings nicht mehr.

Atatürk Flughafen/Istanbul
Kakteen als typisch türkisch? Ist mir jetzt noch nicht aufgefallen.
Aber am Bulvar in Baku versucht man damit ja auch mit Kakteen Internationalität zu beweisen.
Dann ist das hier eben eher der "International" als der "Atatürk" Teil. (Während der Alkohol ja beides perfekt verbindet)

Heydar-Aliyev Airport / Baku
Wow. Bei dem neuen Flughafen ist es mir echt schwer gefallen, mich auf zwei Bilder zu beschränken. Die Vorderfront mit dem geschwungenen Glas ist einfach toll. Und innen auch: Hell, riesig, leer. Sehr leer.  Sein wir ehrlich: Solange die Visabedingungen bleiben wie sie sind, wird Baku diesen Flughafen nicht brauchen. Aber das ist eben das lokal spezifische:
"Brauchen" ist einfach keine Kategorie hier, wenn es ums Protzen geht. 

Heydar-Aliyev Airport / Baku
Die hellen Holzschalen sind die Läden in der Abflughalle. Ungefähr noch ebenso leer wie der ganze Flughafen, aber trotzdem eindrucksvoll. Und die Leere hilft erheblich den Teppich zu erhalten - wer um Himmelswillen ist auf die Idee gekommen, einen Flughafen mit beigem Teppichboden auszulegen? Hier sind es noch Pseudo-Marmorfliesen, die mit  Schatten an  der Decke etwas verwirren. 
Das nationale Element? Ich nehme an, dass das Personal ausschließlich Azeri spricht. Da muss man in Baku schon wirklich suchen, um das zusammenzubekommen. 

Sabiha Gökcen Airport / Istanbul
Gebaut um die Massen aufzufangen, als der neue Atatürk Flughafen schon bald nach Eröffnung aus allen Nähten platzte. Scheint wenn man sich das Bild anguckt, unsinnig gewesen zu sein, aber das muss daran liegen, dass ich ausnahmsweise mal zu einer vernünftigen Zeit da war und nicht mitten in der Nacht. Dann war es nämlich immer voll. Ansonsten nichts Spezifisches. 

Adnan Menderes Airport / Izmir
Noch mehr Leere. Vielleicht ist es in der Touristensaison voller. Wenn das im Vordergrund moderne Kunst sein soll, ist sie ebenfalls nicht besonders lokalspezifisch.  
Sofia
Nachts und im Regen. Aber die Dachkonstruktion scheint mir auch international typisch zu sein. Einen Namen konnte ich nicht mal über google finden. Schade, ich hätte gerne gewusst, über welchen staatstragenden Ex-Politiker ich mich mal näher informieren sollte.

Sofia
Irgendwie ermüdend, was auch an der Uhrzeit gelegen haben kann. Links eine Ausstellung zu bulgarischen Braunbären, die als Tanzbären gehalten wurden und nun in einem Naturreservat leben. Soviel zum Lokalbezug. 


Hier müssten noch die Bilder von Berlin-Tegel rein. Kommen auch noch. Da sind man dann wenigstens auch mal Menschenmassen.

Fazit: Ehrlich gesagt tendiere ich dann doch erstmal zur These, dass Flughäfen austauschbar sind. Dafür haben sie oft wirklich eindrucksvolle Dachkonstruktionen. Und sie werden vorwiegend nach (toten) elder statesmen benannt. Das vor allem an die Adresse der Ausländer, die sich immer über den Heydar Aliyev-Airport aufregen - das ist nun wirklich kein Hinweis auf Personenkult. Oder eben auf einen sehr verbreiteten: Atatürk, Menderes, Gökçen (Istanbul bleibt beim Kemalismus und nennt seinen zweiten Flughafen nach Atatürks Adoptivtochter, die Kampfpilotin wurde - so viel zu "ziviler Luftfahrt), Heydar Aliyev oder auch JFK, Reagan oder Willi Bra - ok, streichen wir den letzten.
Ach ja, der Kaffee ist außer in Sofia auch überall überteuert.

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