Kitsch und Kalligraphie

Kalligrafie von Khaled al-Saai. Laut Webseite gehört 
der Syrer zu den besten Kalligrafen der Welt.
Zu den schöneren Momenten meines Besuchs aus der Ukraine gehörte der gemeinsame Ausflug nach Dresden und Meißen. L. hat als Kind einige Jahre als russisches Besatzungskind in Dresden gelebt und wollte endlich auf vergangenen Spuren wandern. 
Meine persönliche Entdeckung war dabei die Porzellanfabrik in Meißen. Ja, das sind die, bei denen eine Espressotasse (ohne Untertasse) soviel kostet, wie meine Kollegin in Baku im Monat verdient. Ich gebe zu, dass ich freiwillig da nicht reingegangen wäre. Ich hatte Vorstellungen von überteuerten Porzellanfiguren von Schäferinnen, Mohren mit Pluderhosen und Kaffeekännchen oder Türken mit Fes und Wasserpfeife - Orientalismus pur. Natürlich hatte ich Recht. All das gibt es im Museum der Porzellanwerke und in ihren Fabrikshops. Aber es gab eben auch etwas ganz anderes. Die Meißener Porzellanwerke laden Künstler aus aller Welt ein, einige Zeit bei ihnen zu arbeiten. Bevorzugt werden Künstler, die noch nie mit Porzellan gearbeitet haben und eine besondere Gruppe sind dabei Künstler aus dem islamischen Raum. Porzellan bzw. Keramik ist ja nun in der islamischen Kunst kein neues Material, das - im Gegensatz zur europäischen Kunst - aber nicht plastisch verarbeitet wird. Daran haben auch diese Künstler nichts geändert, sondern vor allem mit Kalligraphie gearbeitet. Mit tollen Ergebnissen. 
Leider war gerade in diesem Bereich des Museums das Licht nicht so gut, so dass die Fotos  etwas gelitten haben.


Zumindest einer von beiden ist von dem tunesischen Künstler Nja Mahdaoui.
Vielleicht auch beide. Das dazwischen fotografierte Schild lässt sich leider nicht zuordnen.
Aber ich wollte nicht auf sie verzichten.


Es ist einfach Wahnsinn, was man mit der arabischen Schrift machen kann. Gerade im Vergleich mit den europäischen Stücken stellte sich mir die Frage, ob das doch fast vollständig umgesetzte Verbot der Bildhauerei in islamischen Gesellschaften wirklich so ein künstlerischer Verlust ist, wenn man dafür eine solche Arbeit mit Schrift entwickeln kann. 
Allein dafür lohnt sich der Besuch in Meißen. Dazu  noch ein modernes, lichtdurchflutetes Museum, mit hohen Decken und weiten Treppen - schön. 

  
Auch das gibt es im Museum der Porzellanmanufaktur Meißen.
Dafür hätte man meiner Meinung nach keine Kultur der plastischen Darstellung gebraucht.
 Über Geschmack lässt sich eben nicht streiten. Ich bleibe da lieber bei der islamischen Kunst.

PS Wer heute/morgen von mir einen Blog zum Ende des Zweiten Weltkriegs erwartet hat: Tut mir Leid. Mein nächster Gedenktag ist erst wieder der 13. Mai. 

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