Nach Europa

Ich bin sicher, dass man die Lastwagenschlange an
der Grenze nicht fotografieren darf. Aber es hat mir
ja keiner gesagt.

Der Ausflug nach Edirne hat es in mir angeregt: Die Überquerung der Grenze dahinter, die Reise nach Sofia und von dort aus den Rückflug. Einmal eine EU-Außengrenze überqueren. Nun, der Teil der Reise war etwas enttäuschend. Zumindest, wenn man Grenzen innerhalb der ehemaligen Sowjetunion kennt, erscheint die türkisch-bulgarische Grenze beinahe harmlos. Zumindest für Besitzer des begehrten roten Passes. In dem Fluss zweihundert Meter weiter, der auf Türkisch Meriç, auf Griechisch Maritza heißt (bulgarisch muss ich noch nachgucken), ertrinken wöchentlich Menschen, um rüberzukommen, und mir wirft der Grenzer gerade mal einen Blick von zwei Sekunden zu? Die Wunder der geographisch glücklichen Geburt. Zugegeben, die meisten Flüchtlinge versuchen wohl auch nicht nach Bulgarien, sondern nach Griechenland zu kommen. Wenige Kilometer hinter der Grenze ist mir auch klar, warum. 
Bulgarische Kleinstadt vom Bus aus
Es ist erstaunlich, wie stark politische Grenzen die Landschaft verändern können. Eben noch auf türkischer Seite Felder, Dörfer, Neubaugebiete. Eine reiche, wenn auch oft unattraktiv zersiedelte Landschaft. Auf bulgarischer Seite dann unendliche Wälder, kaum Felder, noch weniger Dörfer. Die wenigen größeren Städte, durch die wir kommen, bestehen aus aufgegebenen Industrieanlagen und herunter-gekommenen Plattenbauten. Keine Neubauten. Wenig Werbeschilder. Mal ein Hinweis auf einen westlichen Supermarkt (Lidl scheint aus irgendwelchen Gründen Interesse am bulgarischen Markt zu haben). Hinweise auf das schnelle Glück in Form von Spielhallen und Lottoannahmestellen. Es ist, als hätte ich mich in der Richtung geirrt, und wäre plötzlich wieder in eine ehemaligen Sowjetrepublik gelandet. In einer der ärmeren. Und, nein, das Wetter war eigentlich ganz in Ordnung, daran kann der überwältigende Eindruck von Grau in den Städten an der Autobahn nicht zusammenhängen. Die Natur war ja auch eindrucksvoll schön. Aber ich interessiere mich zugegeben mehr für Städte als für Natur und habe deshalb keine Bilder der Wälder gemacht. Meine Entschuldigung ans Bulgarische Tourismusministerium.





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