Die alte Hauptstadt

Perfekt zum Himmel strebend - die Selimiyye
Ich hatte ja irgendwann schon mal von meinem alten Traum geschrieben, alle Moscheen des großen Architekten Sinan zu sehen. Dass das nicht meine beste Idee war, auch. Aber es gibt eine, die man meiner Meinung nach gesehen haben muss, und die auch halbwegs gut erreichbar ist: die Selimiyye in Edirne, ungefähr zweieinhalb Stunden von Istanbul entfernt, nahe der griechischen und bulgarischen Grenze. Vor der Eroberung Konstantinopels war Edirne die Hauptstadt des Osmanischen Reiches (in gewisser Weise gehen wir also gerade etwas rückwärts in der Zeit) und sie scheint wichtig genug gewesen zu sein, dass über ein Jahrhundert später hier das wichtigste Werk Sinans entstand.
Das letzte Mal war ich hier vor Jahren mit einer Freundin zu ihrem Geburtstag. Es wird daran liegen, dass der Anfang November ist, dass mir die Stadt doch sehr grau, dunkel und kalt in Erinnerung geblieben ist. Kalt war es jetzt im Vorfrühling auch, aber hell und sonnig, was die Stadt gleich viel attraktiver erscheinen ließ. Tatsächlich gibt es neben der Selimiyye auch zwei weitere Moscheen, beide vor der Eroberung Konstantinopels erbaut, ein osmanisches Krankenhaus und eine - nach meinem damaligen Eindruck überraschend - hübsche Kleinstadt. 
Selimiyye - Innenansicht
Ich bedauerte ehrlich, überhaupt nicht daran gedacht zu haben, nach Hotels in Edirne zu gucken, denn tatsächlich gibt es gleich mehrere Hotels in alten Häusern und Karavansarayen, in denen ich gerne eine Nacht verbracht hätte, statt abends wieder nach Istanbul zurückzufahren. Das nächste Mal, wenn ich es hoffentlich auch zu dem berühmten Museum im alten Krankenhaus schaffe. Diesmal war uns nämlich der Weg versperrt, da die alte Brücke dahin unter Wasser stand. Frühjahr ist nun mal Hochwasser-Zeit. 
Mehr Zeit für die Moscheen und die kleinen überdachten Basare in ihrer Nachbarschaft. Ich würde zwar Seifen in Obstform ebenso wenig kaufen wie Besen mit blauen Augen gegen den bösen Blick (Himmel - wer wirft denn einem Besen oder einer fegenden Frau neidische Blicke zu?!), aber dennoch stöbere ich gerne in Basaren. 
Nein, die Verbindung von Besen und Abwehrzauber
erschließt sich mir auch nicht.
Und abgesehen von einem Mann, der vor einem kleinen Nebengebäude der Selimiyye mit der Aufschrift "Museum" stand und uns mit wiederholten "Museum, Museum"-Rufen da rein zerren wollte, blieben wir auch erstaunlich unbehelligt. Als ich dem Herrn übrigens auf Türkisch informierte, ich könne durchaus lesen, dass das ein Museum sei, meinte er ganz erstaunt "Ach, ihr seid Griechen?" Interessante Aussage. Gerade Griechen sollten mit lateinischen Buchstaben doch am ehesten Probleme haben. Tatsächlich ist aber in Edirne viel auf griechische Touristen und Händler eingerichtet, in einem Lokal erhalten wir sogar eine griechische Speisekarte.Zurück zu den Moscheen - diesmal mit ganz viel Bildern. 
Die älteste Moschee ist die Eski Cami (alte Moschee, sehr originell!), die noch dem Vorbild der Hallenmoscheen (z.B. in Syrien) folgt und mit ihren vielen aneinandergereihten kleinen Kuppeln einen ganz anderen Raumeindruck hat als die zentrierten späteren osmanischen Moscheen, die der Hagia Sophia folgten. (Ich klinge wie ein Kunstreiseführer? Mir egal, der Eindruck ist toll.)  Besonders gefallen haben mir die unterschiedlichen Kalligraphien in verschiedensten Stilen, die übergroß im ganzen Raum verteilt waren. Kalligraphien mag ich sowieso und so wurde das wandern durch die Säulenreihen auch ein bisschen zur Schatzsuche - was gibt es noch zu entdecken?

Innenraum  Eski Cami

Ich bin nicht die einzige, die jede Kalligraphie fotografieren muss.
Aber im Gegensatz zu den muslimischen Touristen, muss ich vorher nicht flüchtig beten
.

Innenhof der Üç Şerefeli Moschee


Und jede Kuppel in diesem Säulengang hat ein eigenes Muster.
Irgendwann stelle ich noch mal meine Sammlung an Moscheekuppeln
in diesen Block. Das www ist ja geduldig.



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